2. Bibelwissenschaften
Dozierende
Alttestamentliche Wissenschaften
Prof. Dr. Johanna Erzberger
Neutestamentliche Wissenschaften
PD Dr. Thomas Tops
Alttestamentliche Wissenschaften
2.1. Die Umwelt des Alten Testaments
Herbstsemester 2026
Mittwoch, 13.50-15.30 Uhr
Pflichtvorlesung BA 1 – Mündliche Prüfung – 3 ECTS
Die Vorlesung führt in die Geschichte Israels ein, insofern diese sowohl historischer Hintergrund als auch Gegenstand der Bücher des alttestamentlichen Kanons ist. Sie behandelt die Geschichte Israels als Teil der Geschichte des Kulturraumes des sog. Alten Orients. Die Vorlesung diskutiert die Quellen anhand derer wir etwas wissen können und nimmt außer der Ereignisgeschichte auch die Sozialgeschichte und die Geschichte der longue durée in den Blick.
2.2. Spezielle Einleitung in das Alte Testament
Herbstsemester 2026
Mittwoch, 10.25-12.05 Uhr
Frühjahrssemester 2027
Mittwoch, 10.25-12.05 Uhr
Pflichtvorlesung BA 2 / Brückenjahr (Methodenteile) – Mündliche Prüfung (HS) / Schriftliche Arbeit mit mündlicher Nachbesprechung (FS) – 6 ECTS
Die Vorlesung führt in die Literatur des Alten Testamentes unter historischen wie unter inhaltlichen Gesichtspunkten ein. Sie gibt einen Überblick über die Entstehung, den Aufbau und zentrale inhaltliche Schwerpunkte der alttestamentlichen Bücher wie über wichtige forschungsgeschichtliche Debatten. Sie behandelt wichtige literarische Gattungen vor dem Hintergrund ihrer historischen Kontexte und vermittelt ein Grundwissen über die Vielfalt exegetischer Methoden und den hinter ihnen stehenden Hermeneutiken. Anhand ausgewählter Beispieltexte wird die Anwendung exegetischer Methoden demonstriert und eingeübt. Die Veranstaltung diskutiert den historischen Kontext und den Aufbau der Alttestamentlichen Kanones, die den interpretativen Rahmen der alttestamentlichen Literatur als «heiliger Schriften» in Judentum und Christentum bilden.
2.3. Exegese: Die Erzvätererzählungen
Herbstsemester 2026
Montag, 15.50-17.30 Uhr
Pflichtvorlesung BA 3 / MA 1-2 / Wahlpflicht Dualer Studiengang – Mündliche Prüfung – 3 ECTS
Die Erzelternerzählungen der Genesis erzählen «Volksgeschichte als Familiengeschichte». Sie sind sowohl als literarischer Ausdruck ganz grundlegender menschlicher Erfahrungen als auch als Herkunftsgeschichte des Volkes Israel lesbar, indem es seinen Platz im geopolitischen Raum des Vorderen Orients und sein Verhältnis zu seinem Gott literarisch Ausdruck verleiht. Sie sind darüber hinaus nicht nur mit den übrigen Büchern des Pentateuch, sondern auch mit anderen, insbesondere den prophetischen Büchern des alttestamentlichen Kanon, intertextuell wie entstehungsgeschichtlich eng verknüpft. Mit den Erzelternerzählungen nehmen die ewig unabgeschlossenen forschungsgeschichtlichen Diskussionen um die Entstehung des Pentateuch ihren Anfang. Anhand ausgewählter Texte werden zentrale Inhalte und Theologien der Erzelternerzählung sowohl im Kontext des Kanons als auch vor dem Hintergrund ihrer mutmaßlichen Entstehungsgeschichte diskutiert. Darüber hinaus öffnen sie ein Fenster in die Forschungsgeschichte und auf nach wie vor nicht abschließend beantwortete Fragen Pentateuchforschung.
2.4. Exegese: Das Buch Jeremia
Frühjahrssemester 2027
Montag, 10.25-12.05 Uhr
Pflichtvorlesung BA 3 / MA 1-2 / Wahlpflicht Dualer Studiengang – Mündliche Prüfung – 3 ECTS
Das Buch Jeremia sieht Jeremias Wirken auf vielfältige Weise mit den politischen Ereignissen der letzten Jahren der politischen Selbständigkeit Judas vor der babylonischen Eroberung verstrickt. Wie viel Textbestand auf den historischen Jeremia und einen unmittelbaren Schülerkreis zurückgeht, ist umstritten. Sicher ist, dass das Buch Jeremia bis in hellenistische Zeit hinein fortgeschrieben und umgearbeitet worden ist. Sehr viel stärker als in anderen prophetischen Büchern steht im Buch Jeremia die Figur des Propheten selbst im Mittelpunkt. Er «verkörpert» seine Botschaft.
Die Vorlesung wird sich dem Buch und dem Propheten aus verschiedenen Richtungen nähern. Sie wird nach der Entstehungsgeschichte des Buches fragen. Anhand ausgewählter Texte werden für das Buch – aber auch für die prophetische Literatur insgesamt – wichtige Gattungen und Inhalte exemplarisch behandelt. Dabei werden sowohl die Entstehung als auch die Gesamtkomposition des Buches, das uns in zwei Textfassungen (einer kürzeren griechischen und einer längeren hebräischen) vorliegt, mitzubedenken sein. Einen kurzen abschließenden Blick wird die Vorlesung auf die Wirkungsgeschichte werfen.
2.5. Lektüre: Lektüre alttestamentlicher Texte
Herbstsemester 2026
Freies Angebot BA 1-3 / MA 1-2 – keine Prüfung – 1 ECTS
Es werden entweder begleitend zu den alttestamentlichen Lehrveranstaltungen oder auf Wunsch der Studierenden ausgewählte Texte gemeinsam übersetzt. Präferenz haben die Bedürfnisse und Wünsche der Teilnehmenden. Bei Bedarf und auf Wunsch der teilnehmenden Studierenden können am Beispiel dieser Texte wichtige grammatische Themen wiederholt und vertieft werden.
7.6. Seminar: «Texts of Terror»
Frühjahrssemester 2027
Freitag 10.25-18.25 Uhr
Daten:
Freies Angebot BA 1-3 / MA 1-2 – Teilnahme 2 ECTS, Teilnahme mündlichem Beitrag 3 ECTS, Teilnahme und schriftliche Arbeit 4 ECTS
In ihrer bereits 1984 erstmals erschienen und seitdem vielfach wiederaufgelegten Monographie «Texts of Terror. Literary Feminist Readings of Biblical Narratives» behandelt Phillis Trible nicht nur für feministische ExegetInnen schockierende und widerständige Texte wie die Vergewaltigung der Davidstochter Tamar durch ihren Halbbruder Amnon in 2 Sam 13 oder die Opferung der Tochter Jeftahs in Ri 11. Die Bezeichnung „Texts of Terror“ hat eine Wirkungsgeschichte weit über Phillis Tribles namensgebendes Buch hinaus. Das Seminar behandelt «Texts of Terror» unter Verwendung unterschiedlicher exegetischer und hermeneutischer Zugänge, die am Beispiel dieser Texte auch selbst kritisch beleuchtet und kontextualisiert werden.
Neutestamentliche Wissenschaften
2.6. Spezielle Einleitung in das Neue Testament
Herbstsemester 2026
Mittwoch, 13.50-15.30 Uhr
Frühjahrssemester 2027
Mittwoch, 16.45-18.25 Uhr
Pflichtvorlesung BA 2 / Brückenjahr (FS) – Mündliche Prüfung (HS) / Schriftliche Arbeit mit mündlicher Nachbesprechung (FS) – 6 ECTS
Im Herbstsemester befassen wir uns mit der Entstehungsgeschichte und den theologischen Grundgedanken der 27 neutestamentlichen Schriften. Darüber hinaus werden zentrale Themen wie das synoptische Problem, die Chronologie der paulinischen Literatur, die Pseudepigraphie, die literarischen Gattungen «Biographie» und «Brief» sowie die Entstehung des neutestamentlichen Kanons eingehend behandelt.
Im Frühlingssemester werden die Studierenden in die Methoden exegetischen Arbeitens eingeführt. Anhand historisch-kritischer, narratologischer und hermeneutischer Fragestellungen lernen sie verschiedene methodische Zugänge kennen und wenden diese praktisch an. Darüber hinaus entwickeln sie auf der Grundlage eigener Fragestellungen selbstständig methodische Ansätze und reflektieren deren wissenschaftliche Tragfähigkeit und Angemessenheit.
Literatur:
- Broer, Ingo/Hans-Ulrich Weidemann, Einleitung in das neue Testament, Würzburg, 42016.
- Ebner, Martin/Bernhard Heininger. Exegese des neuen Testaments: Ein Arbeitsbuch für Lehre und Praxis. Paderborn, 42018.
- Finnern, Sönke/Jan Rüggemeier/Lara Mührenberg. Methoden der neutestamentlichen Exegese: Ein Lehr- und Arbeitsbuch. Tübungen, 22026. (erscheint 06.2026)
- Schnelle, Udo. Einleitung in das Neue Testament. Göttingen, 102024.
2.7. Exegese: Die Ekklesiologie des Epheserbriefes
Herbstsemester 2026
Donnerstag, 08.25-10.05 Uhr
Pflichtvorlesung BA 3 / MA 1-2 / Wahlpflicht Dualer Studiengang – Schriftliche Arbeit mit mündlicher Nachbesprechung – 3 ECTS
In der Vorlesung wird die Ekklesiologie im Epheserbrief systematisch analysiert und diskutiert. Im Vordergrund steht dabei der Vergleich der Epheser-Ekklesiologie mit der Ekklesiologie anderer (deutero-)paulinischer Schriften sowie die Verortung der Epheser-Ekklesiologie in der Sozial- und Philosophiegeschichte.
Studierende können am Ende des Semesters:
- … den Aufbau des Epheserbriefes rhetorisch deuten;
- … die Ekklesiologie dieses Briefes sowie ihre kosmologischen und politischen Aspekte darstellen und sozial- sowie philosophiehistorisch einordnen;
- … die Ekklesiologie des Epheserbriefes mit der Ekklesiologie anderer (deutero-)paulinischer Briefe vergleichen;
- … die Relevanz der Ekklesiologie des Epheserbriefes für ihre eigene pastorale Praxis begründen und reflektieren.
Literatur:
- Aland, Barbara et al., eds. Novum Testamentum Graece. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 282012.
- Gerber, Christine. «Die alte Braut und Christi Leib. Zum ekklesiologischen Entwurf des Epheserbriefs,» New Testament Studies 59 (2013) 192-221.
- Gerber, Christine. Der Brief an die Epheser, ÖTK 10. Gütersloh: Guterslöher Verlagshaus, 2026.
- Grundeken, Mark. Der eine Gott, der durch alle ist. Epheser 4,6 im Kontext antiker Diskurse über Gott und die Welt, WUNT 445. Tübingen: Mohr Siebeck, 2020.
- Heil, John Paul, Ephesians: Empowerment to Walk in Love for the Unity of All in Christ. Atlanta: SBL, 2007.
- Hoppe, Rudolf. «Ekklesiologie und Paränese im Epheserbrief (Eph 4,17–5,20).» In: Ethik als angewandte Ekklesiologie. Der Brief an die Epheser, herausgegeben von
- Michael Wolter. Leuven: Peeters, 2005, 139-162.
- Lincoln, Andrew T. Ephesians, WBC 42. Dallas TX: Word Books, 1990.
- Mayer, Annemarie C. Sprache der Einheit im Epheserbrief und in der Ökumene, WUNT II/150. Tübingen: Mohr Siebeck, 2002.
- Schnackenburg, Rudolf. Der Brief an die Epheser, EKK 10. Zürich: Benziger, 1982.
- Sellin, Gerhard. Der Brief and die Epheser, KEK 8. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2008.
- Talbert, Charles H. Ephesians and Colossians. Grand Rapids MI: Baker Academic, 2007.
- Theobald, Michael, Mit den Augen des Herzens sehen. Der Ephesusbrief als Leitfaden für Spiritualität und Kirche. Würzburg: Echter 2000.
- Van Kooten, George H. Cosmic Christology in Paul and the Pauline School, WUNT II/171. Tübingen: Mohr Siebeck, 2003 (Open Source: https:/
- www.mohrsiebeck.com/en/book/cosmic-christology-in-paul-and-the-pauline-school-9783161571909/).
2.8. Exegese: «Der Erzählcharakter und die Theologie des Johannesevangeliums»
Frühjahrssemester 2027
Montag, 15.50-17.30 Uhr
Pflichtvorlesung BA 3 / MA 1-2 / Wahlpflicht Dualer Studiengang – Mündliche Prüfung – 3 ECTS
Das Johannesevangelium ist bekannt für seine hohe Christologie. Gleichzeitig ist es kein theologisches Traktat, sondern eine literarische Erzählung. Die Vorlesung beschäftigt sich einerseits mit der Frage, wie die literarische Charakterisierung der Figuren (z.B. Maria Magdalena, der Lieblingsjünger, Nikodemus, Thomas) verschiedene Glaubensparadigmen entfaltet. Andererseits werden die theologischen Aspekte des Johannesevangeliums (z.B. Präexistenz, Konzept der Stunde, Lamm Gottes/Pesach, Wunderzeichen [Semeia], ewiges Leben) anhand von Textlektüre illustriert. Hierbei wird vor allem die Methode der narrativen Exegese verwendet.
Die Studierende sollen am Ende des Semesters:
- …sensibilisiert sein für die literarische Vermittlung der johanneischen Theologie.
- …verschiedene Aspekte der johanneischen Theologie kennen.
- …Lesestrategien und die Methode der narrativen Exegese sicher anwenden, um das theologische Bedeutungspotenzial der Texte für heute zu erschließen und kritisch zu reflektieren.
Literatur:
- Aland, Barbara et al., eds. Novum Testamentum Graece. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 282012.
- Alkier, Stefan/ Paulsen Thomas, Übers. Das Evangelium nach Johannes und die drei Johannesbriefe, FNT 3. Schöningh 2022. (Open Access: https://brill.com edcollbook/title/57195).
- Hunt, Steven A./Tolmie D. Francois/Zimmermann Ruben (Hg.). Character Studies in the Fourth Gospel. Narrative Approaches to Seventy Figures in John. Tübingen 2013.
- Schnackenburg, Rudolf. Das Johannesevangelium. Vol. 1–3. Freiburg 1965-1975.
- Theobald, Michael. Das Evangelium nach Johannes: Kapitel 1–12. Regensburg 2009.
- Thyen, Hartwig. Das Johannesevangelium. Tübingen 22015.
- Wengst, Klaus. Das Johannesevangelium. Neuausgabe. Stuttgart 2019.
- Zumstein, Jean. Das Johannesevangelium. Göttingen 2016.
