Campus Angebote

Die TH Chur verbindet universitäre Wissenschaftlichkeit mit kommunikativer Zeitgenossenschaft in Kirche, Kultur und Gesellschaft. Sie entwickelt einen akademischen Bildungs-, Kommunikations- und Lebensraum, in dem kontext-sensible und dialogfähige Theologie erlernt und eingeübt werden kann. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Seminar St. Luzi.

Sankt Luzi und der Heilige Gral – das neue Escape-Spiel

Geheimschriften entziffern, Zahlenschlösser knacken, verborgene Hinweise entdecken, Zusammenhänge erkennen und die richtigen Schlüsse ziehen: Escape-Spiele leben vom genauen Hinsehen, vom Kombinieren und vom gemeinsamen Tüfteln. Es braucht Neugier, Kreativität und Teamgeist…

In den 1990er-Jahren erfreuten sich Computerspiele grosser Beliebtheit, bei denen Rätsel mithilfe der Umgebung gelöst werden mussten, um aus einem virtuellen Raum zu entkommen. Aus dieser Idee entwickelten sich später die Escape-Room-Spiele, die heute aus der realen Freizeitkultur kaum mehr wegzudenken sind.

Inzwischen haben diese Spiele die dunklen Keller verlassen: Die altbekannte Schnitzeljagd durch Gelände oder Stadt erlebt ein Revival. Oft wird dabei die historische Umgebung – etwa eine Stadt wie Chur – bewusst einbezogen. Unterstützt durch digitale Hilfsmittel wie Smartphone oder Tablet tauchen die Spielenden ein in interaktive Geschichten, die zum Entdecken, Mitdenken und Rätsellösen einladen.

Genau eine solche Idee möchten Prof. Dr. Lisa Kühn, Claude Bachmann und René Schaberger an der Theologische Hochschule Chur umsetzen: Rund um Hof, Seminar und Hochschule soll ein Escape-Spiel entstehen, in dem eine spannende Geschichte erlebt, die Umgebung erkundet und knifflige Rätsel gelöst werden. Ganz nebenbei kann dabei auch einiges über den Ort gelernt werden.

Langfristig wäre es das Ziel, dass das Spiel von Tourismus Chur übernommen und in ihr Programm aufgenommen und angeboten wird.

Das Projekt hat bewusst noch keinen detaillierten Zeitplan. Den Auftakt bildet im Herbstsemester 2026 ein gemeinsamer Besuch eines Escape Rooms in Chur. Von dort aus entwickeln wir die Idee Schritt für Schritt weiter.

Ameldung: https://forms.cloud.microsoft/e/SGRhjLVsZu 

Datum: Ein Termin wird gemeinsam mit den interessierten Teilnehmenden im Herbstsemester festgelegt.

Kontakt:

Kolloquium Angewandte Psychologie
Karl Wolf, Offenes Kolloquium

Das Offene Kolloquium Psychologie nimmt spezifische Themen der Pastoral im Grenzbereich von Seelsorge und Psychologie für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in den Blick. Es will Studierende sowohl durch den Bezug auf klinisch-psychologische und psychotherapeutische Grundlagen, als auch auf pastorale und spirituelle Praxis für die seelsorgliche Begleitung von Menschen in existenziellen Konflikten und Krisen qualifizieren. Zum Kolloquium gehört die Arbeit an konkreten Fällen aus der pastoralen und psychotherapeutischen Praxis.

Montagabend, 19.15 Uhr, HS 3
Termine: 12. Oktober / 16. November  2026 / 15. März / 3. Mai 2027
Anmeldung erfolgt über einen Aushang.
Karl W. Wolf, Spiritual, Eidg. Dipl. Analyt. Psychologe, Küsnacht,

 

Krisen Affekte Radikalisierung

Destruktive Dynamiken und transformative Prozesse bei der Bewältigung von Lebenskrisen – Glaubenskrisen – Berufungskrisen

  • Krisen – Grundgegebenheit des Lebens, der Entwicklung von Identität, Ethos und Glaube

Krisen gehören zur Grundgegebenheit menschlicher Existenz. Dem Lebensalter entsprechende psychosoziale Entwicklungskrisen (Erikson) sind die Motoren der Entwicklung von Identität.  In der Entwicklung von Bewusstsein und Ethos (Kohlberg) treten typische, wiederkehrende Krisen auf. Sie sind nicht Ausnahmen, sondern notwendige Reifungsschritte. Krisen der Lebensmitte (C. G. Jung) bergen die Chancen der Orientierung und Neuausrichtung, der Vertiefung von Selbstverständnis und Beziehungen, Sinngebung im Beruf und einer bewussteren, werte-orientierteren Lebensgestaltung. Auch zentrale Stufen der Glaubensentwicklung sind jeweils durch typische Krisen markiert (Fowler) Diese Krisen entstehen, wenn die bisherige Form des Glaubens zu eng wird und eine neue, komplexere Struktur mit entsprechenden Inhalten notwendig und möglich wird. Diese krisenhaften Übergänge sind psychologisch, spirituell und existenziell herausfordernd.

  • Destruktive Eskalation oder transformative Reifung

In einer Zeit wachsender multipler Unsicherheiten – individuell und sozial, geopolitisch und ökologisch, analog und digital durch den Einfluss von Fragestellungen und Verunsicherungen künstlicher Intelligenz verstärkt – steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Krisen sowohl individuell, als auch  kollektiv, in destruktive Bahnen geraten können. Menschen fürchten sich, weil globale Vernetzung und KI das Gefühl erzeugen, die Kontrolle über den Fortschritt und die Geschwindigkeit von Entwicklung zu verlieren, ihnen die Transparenz von Information und die Verfügungsgewalt in einer immer komplexer sich darstellenden Welt entzogen wird. Existentiell bedrohlich kann es werden, wenn Krisen nicht mehr als Übergänge, Durchgänge und Aufbrüche, sondern als Endpunkte ohne Aussichten und individuell wie kollektiv bedrohliche Sackgassen erlebt werden.

  • Bewusste Annahme von Herausforderungen in unverfügbaren Veränderungsprozessen

Angst, Ohnmacht, Aggression und Radikalisierung sind Phänomene tiefgreifender Veränderungsprozesse (mitunter katastrophischen Ausmasses)) und bedeutsamer Ausdruck psychischer, sozialer und spiritueller Dynamiken eines Menschen, der sich in seiner Existenz bedroht erfährt, in Ohnmacht gerät und die Kontrolle zu verlieren glaubt. Ein Mensch kann sich in seiner Religiosität und Spiritualität, in seinem Glauben und seine Berufung bedroht und die Sinngebung für sein Leben bedroht erfahren. Von Angst erfasst, versucht er einer für ihn nicht handelbaren Komplexität einer Lebens-Situation eine für ihn verstehbare Lösung zu geben und die Irritation in seiner Identität zu beenden oder der Zersplitterung seiner Persönlichkeit zu entgehen. Durch den Versuch radikaler Lösungen stellt er eigene Handlungsmacht und Überschaubarkeit, Einfachheit und Identität, verbunden mit Sinnerfüllung wieder her.

In Lebens-Krisen bilden die Lähmung in der Angst, das Ausagieren von Aggression und die Radikalisierung individuelle und soziale, existentiell relevante, dynamische Spannungsfelder. Je eigene individuell-psychologische, soziale und spirituelle Aspekte sind sowohl in ihrem Entstehen als auch in ihrem Verlauf relevant:

– Die individuelle Vulnerabilität der jeweiligen Persönlichkeit mit ihrem originären biographisch spezifischen Hintergrund,

– die verlorene Stabilität von Identität im Zerbrechen von Selbstbild, Weltbild und Gottesbild in einer Lebenskrise

– die Dringlichkeit der Identitätssuche in der Dynamik der Entwicklung einer Person mit den dazugehörenden Vorerfahrungen und Frustrationen aus den Interaktionen mit emotional bedeutsamen Bezugs- und Autoritätspersonen

– der soziale und religiöse Bezugs- und Deutungsrahmen und die («erfolglose»/«erfolgreiche») Sinnsuche

– die psychologischen und spirituellen Ressourcen entscheiden darüber, ob ein Mensch destruktiv eskaliert oder transformativ reift.

Soziologie und Analytische Biografie-Arbeit betont die bewusste Veränderung von Lebensentwürfen und sozialen Rollen. Maladaptive in adaptive Bewältigung von existentiellen und spirituellen Krisen zu verändern ist eine grosse Herausforderung. Dysfunktionale, destruktive versus funktionale, konstruktive Krisenbewältigung bei Identitäts-, Glaubens- und Rollenkonflikten stehen sich in Spannungsfeldern gegenüber.  Es gilt regressive in transformative Prozesse biografischer Umbrüche zu wandeln, krisenhafte Stagnation in existenziellen Neuorientierungsprozessen in biografische Transition umzusetzen.

Spirituelle Praxis kann destruktive Krisendynamiken nicht dadurch verändern, dass sie Angst, Aggression oder Ohnmacht verdrängt, sondern indem sie Affekte in einen Raum von Beziehung, Deutung, Unterscheidung und verantwortlicher Handlung stellt. Kontemplation, Gebet, geistliche Begleitung, Rituale, Gemeinschaft und die Unterscheidung der Geister eröffnen Erfahrungsräume, in denen Krisen nicht als endgültige Sackgassen, sondern als Durchgänge zu gereifter Identität, vertieftem Glauben und erneuerter Berufung verstanden und gestaltet werden können.

KI Workshop mit Bernhard Lange (Universität Luzern)

Anmeldung: https://forms.cloud.microsoft/e/h2RtQfY1WR 

Datum: 7. November 2026, ca. 08:30 -16:30 Uhr
Format: Präsenz, ganztägig

Auch in einer Geisteswissenschaft wie der Theologie kommen KI-basierte Tools mit grosser Selbstverständlichkeit zum Einsatz. Die Chancen, Möglichkeiten und Gefahren von KI für den akademischen Alltag wecken grosse Begeisterung, aber auch zurückhaltende Skepsis. Und sowohl Studierende als auch Promovierende und Dozierende kommen kaum mehr darum herum, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie sich KI-Tools konkret für ihr Studium und ihre Forschung sinnvoll nutzen lassen und wann man bewusst darauf verzichten sollte.

Wir laden zu einem ganztägigen Workshop über die Rolle von KI im geisteswissenschaftlichen Studium und Arbeiten ein. Der Workshop bietet Raum, Fragen zu stellen, Unsicherheiten abzubauen, Einsatzformen auszuprobieren, zu hinterfragen und einzuordnen. Inhaltlich wird dabei unter anderem beleuchtet, wie KI funktioniert und welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen. Dabei soll auch ein reflektierter Umgang geschult werden: Wie bleibt wissenschaftliches Arbeiten eigenständig? Welche Regeln und Grenzen sind zu beachten? Und wie lässt sich KI so einsetzen, dass sie das Lernen unterstützt, ohne es zu unterlaufen?

Als Referent konnte Bernhard Lange von der Universität Luzern gewonnen werden. Er kennt sich einerseits bestens mit den aktuellen Entwicklungen rund um KI aus. An der Universität Luzern bietet er regelmässig Kurse zu den neusten Trends an. Andererseits ist er als Religionswissenschaftler mit den Arbeitsweisen der Geisteswissenschaften bestens vertraut.

Der Workshop steht allen Mitgliedern der Hochschule offen.