3. Historische Theologie

Dozierende

Kirchengeschichte
Prof. Dr. Markus Müller

3.1. Einführung in die Kirchengeschichte und in das wissenschaftliche Arbeiten

Herbstsemester 2026
Donnerstag, 10.25-12.05 Uhr

Pflichtvorlesung  BA 1 / Brückenjahr – Ohne Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten: Mündliche Prüfung 1.5 ECTS / mit Einführung in das wissenschaftlichen Arbeiten: Schriftliche Arbeit 3 ECTS

Der Kurs ist zweiteilig aufgebaut und verbindet das «Was» mit dem «Wie»:

Im ersten Teil «Einführung in die Kirchengeschichte» (erste Stunde) erkunden wir die Welt der Heiligenlegenden und das Phänomen der Heiligenverehrung – von den antiken Märtyrern über den Churer Bistumspatron Luzius bis in die neueste Zeit. Entlang dieses roten Fadens lernen wir die Christentumsgeschichte als wissenschaftliche Disziplin kennen underarbeiten uns einen ersten Überblick über die historischen Epochen.

Damit verknüpft ist der zweite Teil «Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten» (zweite Stunde). Hier legen Sie das Fundament für Ihren eigenen Workflow: Wie gelingt es, mit Neugier und Freude zu studieren, zu forschen und zu schreiben? Neben den klassischen Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens (Recherche, Zitieren, Bibliografieren) lernen wir auch digitale Tools (Zotero) kennen und erproben das Schreiben als effizientes und produktives «Denkwerkzeug». Am Ende steht eine erste schriftliche Übungsarbeit zur Aneignung der Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens.

Je nach Studienprofil können beide Teile (mit Übungsarbeit) oder nur der erste Teil (mit mündlicher Prüfung) belegt werden.

3.2. Grundkurs Kirchengeschichte III: Frühe Neuzeit bis Französische Revolution

Herbstsemester 2026
Donnerstag, 08.25-11.10 Uhr

Pflichtvorlesung BA 1-2 / Wahlpflicht Brückenjahr / Dualer Studiengang – Mündliche Prüfung – 3 ECTS

Warum sind alte Kirchen in Zürich so schlicht, in Rom aber so prächtig? Warum ist das Christentum in Südamerika katholisch geprägt, in Nordamerika aber protestantisch? Woher kommt die Spannung zwischen Vernunft und Glaube? Und warum verstehen sich moderne Staaten meist als religiös neutral? – Erste Antworten auf diese (und viele weitere) Fragen kann die Geschichte des Christentums in der Frühen Neuzeit liefern. Ziel ist es, einen Überblick über die historischen Zusammenhänge zu erarbeiten. Ausgehend von der Konfessionalisierung als Folge der Reformation(en) verfolgen wir anhand anschaulicher Beispiele, wie in Europa konfessionelle und politische Konflikte Hand in Hand gingen; wie die konfessionellen Prägungen im Schlepptau der «Entdecker» und «Eroberer» in andere Erdteile getragen wurden; wie aus dem Ringen um Frieden in Europa und dem verstärkten Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis ein grundlegend neues Verhältnis von Religion und Politik hervorging – ein Prozess, der schließlich in die radikalen Umbrüche der Französischen Revolution mündete.

3.3. Spezialkurs: «Reformatio». Ringen um Erneuerung der Kirche im 15./16. Jahrhundert

Herbstsemester 2026
Mittwoch, 08.25-10.05 Uhr

Pflichtvorlesung  BA 1-2 / Frei Wahl BA 3 / MA 1-2 – Mündliche Prüfung – 3 ECTS

«Reformation» – «Luther» – «evangelisch»: Diese Begriffe gehören im heutigen Sprachgebrauch untrennbar zusammen. Im 16. Jahrhundert war das noch anders: «Evangelisch» zu sein, schrieben sich auch viele Luther-Gegner auf die Fahnen und «Reformatio» meinte damals zunächst einfach «Reform» oder «Erneuerung». Schon im 15. Jahrhundert hatten viele auf eine solche «Reformatio» der Kirche gehofft: weltliche Herrscher, Theologen, Synoden, Konzilien und Bischöfe hatten Missstände beklagt und Reformideen entwickelt, um die Kirche gemäss dem Evangelium zu erneuern – und doch blieb vieles beim Alten. Vor diesem Hintergrund entbrannte und eskalierte um 1520 der Streit um die Reformforderungen des Augustinermönchs Martin Luther und seiner Mitstreiter.

Das Seminar bietet Gelegenheit, die Eskalation des Streits um die Erneuerung der Kirche besser zu verstehen und die Pluralität der damaligen Reformansätze anhand von Quellen aus dem 15. und 16. Jahrhundert zu erforschen. Befürworter und Gegner Luthers kommen genauso in den Blick wie jene, die (vergeblich) versuchten zwischen den Fronten zu vermitteln, Aufrufe zur Gewalt genauso wie eindringliche Mahnungen zum Frieden.

3.4. Grundkurs Kirchengeschichte IV: Moderne bis Zeitgeschichte

Frühjahrssemester 2027
Montag, 08.25-10.05 Uhr

Pflichtvorlesung BA 1-2 / Wahlpflicht Brückenjahr / Dualer Studiengang – Mündliche Prüfung – 3 ECTS

Dampfmaschine statt Fegefeuer, Konsum statt Askese, Relativismus statt Wahrheit. – Gerne wird das Verhältnis von Kirche und Moderne in solche plakativen Gegensätze gefasst. Fragen wir aber nach der ganzen Bandbreite christlicher Akteure im 19. und 20. Jahrhundert wird schnell klar: Das spannungsreiche Ringen zwischen Tradition und Fortschritt war (und ist) sehr viel bunter und komplexer als es ein Schwarz-Weiss-Bild suggeriert. – Ausgehend von den Folgen der Französischen Revolution für die Kirchen beleuchtet die Vorlesung sowohl Schlüsselereignisse wie den Kulturkampf und das Erste Vatikanische Konzil, als auch das Ringen um die «Soziale Frage», das Erstarken des politischen Katholizismus und die religiöse Praxis der breiten Bevölkerung.

Ein besonderer Fokus liegt auf den Zäsuren des 20. Jahrhunderts. Angesichts des Faschismus und der beiden Weltkriege mussten die christlichen Kirchen ihre vormaligen Positionen überdenken. Das Zweite Vatikanische Konzil bahnte neue Wege. Das Ende des europäischen Kolonialismus, der unaufhaltsame gesellschaftliche Wandel und neu erkannte Herausforderungen wie die Umweltzerstörung forderten und fordern das Christentum immer neu heraus.

Ziel der Vorlesung ist es, die Wurzeln aktueller kirchlicher Debatten in den Transformationen der letzten 200 Jahre freizulegen.

3.5. Spezialkurs: Christentum und Menschenrechte. Eine historische Spurensuche

Frühjahrssemester 2027
Mittwoch, 08.25-10.05 Uhr

Pflichtvorlesung  BA 1-2 / Freie Wahl BA 3 / MA 1-2 – Mündliche Prüfung – 3 ECTS

Heute gelten die Menschenrechte als universale Prinzipien und die Kirche wird von vielen als Anwältin der Menschenrechte wahrgenommen. – Ein historisch fundierter Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass das Verhältnis «Christentum und Menschenrechte» komplex und keineswegs ohne Spannungen ist. Anhand von historischen Quellen aus verschiedenen Epochen und exemplarischen Themenfeldern (wie Sklaverei oder Religionsfreiheit) untersuchen wir im Seminar, wie christliche Akteure mit den Idealen, die heute mit dem Begriff «Menschenrechte» verbunden werden, im Laufe der Geschichte umgingen. Dabei tritt eine grosse Bandbreite von theologisch begründeten Denk- und Handlungsmustern zutage, die wir im Seminar herausarbeiten, in ihrem jeweiligen historischen Kontext analysieren und kritisch reflektieren.

3.6. Methodenkurs: Grundlagen historischen Forschens

Frühjahrssemester 2027
Mittwoch, 08.25-10.05 Uhr

Pflichtvorlesung BA 1-2 – Schriftiche Arbeit – 3 ECTS

Über das Verhältnis der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus ist intensiv geforscht worden und dennoch werden viele Fragen nach wie vor kontrovers diskutiert – nicht zuletzt, weil immer neue Archivfunde ans Licht kommen. War die Kirche das unerschütterliche Bollwerk, das viele in ihr sehen wollten (und wollen)? Oder hat sie geschwiegen, wo sie hätte ihre Stimme erheben sollen? – Der Kurs führt in die Methoden des historischen Forschens ein und zeigt, wie mit deren Hilfe aus historischen Quellen wissenschaftliche Erkenntnisse werden, die differenzierte Antworten auf die Fragen an die Geschichte ermöglichen. Neben dem professionellen Umgang mit historischen Quellen und einschlägiger Fachliteratur werden wir die Begriffe Geschichtsbewusstsein und Erinnerungskultur diskutieren.

3.7. Kolloquium Kirchengeschichte

Herbstsemester 2026
Donnerstag, 17.40-18.25 Uhr
Frühjahrssemester 2027
Freitag, 17.40-18.25 Uhr

Freies Angebot BA 2-3 / MA 1-2 – keine Prüfung – 1 ECTS pro Semester

Diskussion aktueller Forschungs-, Promotions- und Thesis-Projekte (in Kooperation mit anderen theologischen Studienorten in der Schweiz) sowie kirchenhistorischer Themen-/Problemfelder nach Wahl der Teilnehmenden.