Graubünden als Sakrallandschaft:
Wissenschaftscafé der TH Chur am 01.10.2026

Jedes Jahr im Herbst veranstaltet die Theologische Hochschule Chur im Rahmen der Reihe „Wissenschaftscafé Graubünden“ eine Podiumsdiskussion zu gesellschaftlich, kirchlich oder theologisch relevanten Fragen. Dieses Jahr standen die Schnittstellen zwischen Kirchen und Tourismus im Zentrum des Gesprächs. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Kirchen, Klöster und Kapellen zwar beliebte Ziele des Kulturtourismus im Kanton Graubünden sind. Oft sind sie aber zu wenig bekannt und zugänglich. Nach der Begrüssung durch Daniela Heinen von der Academia Raetica diskutierten vier Expertinnen aus Kirchen, Tourismus und Wissenschaft, wie gemeinsame Angebote rund um das wertvolle sakrale Kulturerbe in Graubünden weiterentwickelt werden können.

Erika Cahenzli, Kirchenratspräsidentin der Evangelisch-Reformierten Landeskirche Graubünden und Grossrätin SP, schwärmte zu Beginn von ihrer ‚Alltagskirche‘ in Untervaz, die sie schon ein Leben lang auf allen Stationen begleitet habe. Sie betonte, dass die Reformierte Landeskirche schon seit bald 20 Jahren ein 20%, später ein 30%-Pensum für eine Fachstelle ‚Kirche im Tourismus‘ eingerichtet habe, die zahlreiche spannende Projekte betreut.

Dr. Kaspar Howald, früherer Direktor von Valposchiavo Tourismus und aktuell Projektleiter von ‚Graubünden cultura‘ bündelt verschiedene Ideen und Projekte im Bereich Kulturtourismus im Kanton. Er hält die Sakralräume in der Region für ein wichtiges Potenzial, legte aber Wert darauf, dass aus Potenzialen auch konkrete Angebote werden müssten, um touristische Wertschöpfung zu erzielen.

Prof. Dr. Gabriela Christen, em. Kunsthistorikerin an der Hochschule Luzern und frühere Kulturredakteurin bei Radio DRS, ist aktuell Präsidentin des Vereins Sakrallandschaft Innerschweiz. Sie berichtete vom stark frequentierten Wegenetz ‚Himmlische Pfade‘, das sehenswerte Kirchen und Kapellen zwischen den Klöstern Einsiedeln und Engelberg miteinander verbindet. Sie zitierte Köbi Gantenbein, Herausgeber der Architekturzeitschrift Hochparterre, der meinte, „der Mensch sehe auch mit den Füssen“ und empfahl ein vergleichbares Projekt auch im Kanton Graubünden aufzugleisen.

Prof. Dr. Christian Cebulj, Religionspädagoge an der TH Chur und Leiter des Forschungsprojekts ‚Religion-Kultur-Tourismus‘ berichtete vom Megatrend Wissenskultur, von dem das aktuelle Freizeitverhalten stark geprägt sei: In den Ferien gehen Familien nicht nur zum Baden an den Strand, sondern besuchen auch Kathedralen, Klöster und sehenswerte Sakralräume. Er gab gleichzeitig zu bedenken, dass Kirchenräume in der Gefahr der Musealisierung stünden und als Objekte der Vergangenheit wahrgenommen werden. Er betonte, dass es daneben vielfältige kulturelle Angebote der Kirchen gebe, die Religion in Gestalt von Kunst, Musik und Literatur zum Klingen bringen und damit einen wichtigen Bildungsbeitrag für die Gegenwart leisten.

Während der spannenden Podiumsdiskussion kamen auch Publikumsfragen zu Wort, die sich einig waren, dass Graubünden als Sakrallandschaft einen hohen Stellenwert für den Tourismus hat, der jedoch noch weiter ausgebaut werden kann. Das Podium wurde sachkundig moderiert von Anna-Lena Jahn, Wiss. Mitarbeiterin beim Projekt ‚Religion-Kultur-Tourismus‘ der Theologischen Hochschule Chur.

 

Link zum Flyer des Halbjahresprogramms 2/2026:

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