Kirche im Tourismus:
Buchvernissage des Pastoralinstituts in Zürich

Zahlreiche Interessierte aus dem Bereich der Kirchen und des Tourismus hatten sich am Mittwoch, 24.11.2021 in der Paulusakademie Zürich zur Vernissage des Buchs „Zwischen Kreuzfahrt und Klosterküche. Formen kirchlicher Präsenz im Tourismus (TVZ 2021)“ eingefunden.

Begleitet von den beruhigenden Klängen der Zürcher Alphornbläser strich Akademie-Direktor Csongor Kozma heraus, dass Kirchen und Tourismus viele Schnittstellen haben: Das Pilgern boomt, Citykirchen und Bergkapellen laden zum Verweilen ein, Kathedralen und Klöster gehören zu den Hauptattraktionen des Kulturtourismus. In Ferien und Freizeit würden sich viele Menschen nicht nur Zeit für Bildung, sondern auch für Sinnfragen und Spiritualität, für die sie den Kirchen eine hohe Kompetenz zuschreiben.

Pfarrer Michel Landwehr betonte als Präsident des Vereins „Kirchen und Tourismus Schweiz“ (www.ktch.ch) nannte in seinem Grusswort einige Beispiele gut gelungenen Kooperationen, die es neben Untersuchungen und Tagungen schon seit Jahren gebe: Sinnstiftendes Reisen und spiritueller Tourismus, Gottesdienste im Grünen und Weissen, Kirchen am Weg der Grand Tour of Switzerland, Gesundheitstourismus, Pilgerwege, Velowegkirchen und Herzroute, Heiraten in Tourismusdestinationen, Citykirchen, Verlässlich geöffnete Kirchentüren, Kirchenführungen, Kirchliche Rahmenprogramme an sportlichen und kulturellen Grossveranstaltungen. Hier wolle der ökumenisch ausgerichtete Verein auch in Zukunft Zeichen setzen.

Der bekannte Theologe und Fernsehjournalist Nobert Bischofberger nahm das Publikum mit Hilfe einiger Videoclips aus seiner Filmproduktion „Spirituelle Wege durch die Schweiz“ mit an ‚Kraftorte‘ mit langer christlicher Tradition wie Romainmôtier, St. Maurice und Ziteil. Er unterstrich die Bedeutung christlicher Kirchenbauten als ‚kulturelles Gedächtnis‘ in der Schweiz und in ganz Europa. Dafür interessierten sich sowohl Einheimische wie auch Touristen aus den USA oder Asien.

In der Podiumsdiskussion erzählte der Religionspädagoge Prof. Dr. Christian Cebulj von der Theologischen Hochschule Chur, dass im Buch ein Thema aufgenommen werde, das seit 30 Jahren durch Kommissionen der beiden Kirchen gepflegt, aber irgendwann fallen gelassen wurde. Die Seelsorgenden seien oft so sehr durch die immer grösser werdenden Pfarreien und Kirchgemeinden belastet, das der Tourismus als ‚Luxus-Thema‘ erscheine. Dem wolle man künftig entgegensteuern und wieder stärker zeigen, welche kulturellen und spirituellen Schätze Kirchen, Klöster und Kapellen zu bieten hätten. Der reformierte Theologe Prof. Dr. Thomas Schlag von der Universität Zürich bezeichnete die modernen Menschen als ‚religiöse Flaneure‘ Sinnsuchende, die offen für tiefergehende Sinnfragen seien. Das Pilgern als ‚Weg zu sich selbst‘ mache vielen nicht-religiösen Menschen bewusst, dass seine Wurzeln im Christentum liegen, die es wiederzuentdecken gelte.

Barbara Haller Rupf als Geschäftsführerin der Academia Raetica in Davos brachte die Debatte auf den Punkt: „Dir Kirchen brauchen den Tourismus, aber der Tourismus braucht genauso die Kirchen“. Ein international vernetztes Forschungsprojekt am Pastoralinstitut der Theologischen Hochschule Chur soll demnächst der Frage nachgehen, welche Chancen sich für die Kirchenentwicklung sich zwischen Kreuzfahrt und Klosterküche ergeben.

Vgl. auch: https://www.kath.ch/medienspiegel/zwischen-kreuzfahrt-und-klosterkueche/

Literaturhinweis: Cebulj, Christian/Schlag, Thomas (Hg.): Zwischen Kreuzfahrt und Klosterküche. Formen kirchlicher Präsenz im Tourismus, Theologischer Verlag Zürich 2021, 238 Seiten, CHF 32.80.